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Der erste Alleinflug - Emotionen eines Flugschülers

 

Flugplatz Altenburg-Nobitz, 25. August 2002 kurz vor Mittag. Die Sonne steht bereits hoch am Himmel, einzelne Cumulus- Wolken tummeln sich weit über uns. Der Wind weht zwar nicht stark, aber bereits merklich. Heute soll es nun geschehen: Mein erster Alleinflug, die A-Prüfung, steht mir bevor.

 

Der Prüfling vor mir ist eben gelandet. Majestätisch sah es aus, als der „Bergfalke“, unser Schulungsflugzeug, hereingeschwebt kam. Jetzt schnallt er sich ab, ich gehe ihm entgegen, um ihm zur bestandenen Prüfung gratulieren um beim Abschnallen zu helfen und weil ich weiß, dass ich eh’ der nächste sein werde. Thomas Hoppe heißt der Pilot vor mir und hat eben seine A- Prüfung bestanden. Einerseits freue ich mich für ihn, aber andererseits geht mir heut schon den ganzen Tag die Frage durch den Kopf: „Und was ist, wenn’s nicht klappt?“

 

 

 

 

Ich steige in den Bergfalken ein, Maurice hilft mir beim Anlegen des Gurtzeugs, Christoph hält derweil die Tragfläche in der Waage. Jedes Mal ärgere ich mich beim Anlegen darüber, dass ich nur so ein dünner Hering bin, denn in das Geschirr passe ich gleich 3 Mal ’rein. „Naaa?“, sagt Maurice mit einem Ton, neugierig und aufmunternd zugleich. „Wie fühlst du dich denn jetzt so?“ mimt er mit verschmitztem Gesicht den Psychiater. Ich glaube, ich brauche wirklich bald einen, denn so verkrampft wie jetzt war ich bestimmt noch nie. Die verschiedensten Gedanken gehen mir durch den Kopf: „Wie ist wohl der Wind da oben?“, „Was mache ich bei einem Seilriß?“ und immer wieder die bohrende Frage „Wird es klappen?“

 

Detlef Otto, mein Fluglehrer kommt jetzt zu mir, weist mich vorsichtshalber noch mal wie einen Neuling in die Handhabung der Steuerinstrumente, der Trimmung und der Anzeigen ein, Vorsicht ist schließlich immer noch das höchste Gebot in der Fliegerei. Dann erklärt er mir noch ein bis zwei Tricks und Kniffe, doch richtig folgen kann ich ihm nicht, denn meine Gedanken sind längst in 350 Meter Höhe. Ich glaube, Detlef ist es bei der ganzen Sache genauso mulmig im Magen, wie mir, schließlich ist er mein Fluglehrer und Freund. Ich versuche, mich mit dem Gedanken zu trösten, dass es die vorangegangenen 45 Starts auch immer gutgegangen ist. Endlich aber klopft er drei Mal auf die Schnauze des Flugzeuges, wünscht mir viel Glück und übernimmt die Fläche, die der arme Christoph bis dahin oben halten musste.
Ich schließe die Haube und sofort befällt mich ein seltsames Gefühl. Nein, Angst ist es nicht direkt, aber es ist diese verdammte Ungewissheit von dem, was da oben passieren wird. Doch bloß nichts anmerken lassen, entschlossenes Gesicht, lächeln! Mein Gott, muss das jetzt eine Fratze sein!

 

 

Aus den Funk ertönt jetzt schon die Anfrage: „Altenburg Info, Windenstart?“ Nach einer qualvollen Pause folgt endlich die Antwort: „Positiv, Wind aus 2-2, 5 Knoten.“ „Winde, rechtes Seil straffen, Bergfalke.“ So, das ist es nun, der endgültige Beschluss. Markus Fischer, der kleine Alleinflieger, der vor Angst und Anspannung fast platzt, kommt nun in die Luft! So verkrampft wie jetzt war ich bestimmt noch nie. Schlangengleich windet sich das Seil jetzt im stoppeligen Gras, ähnelt erst einer Banane, strafft sich dann mehr und mehr und zieht mich schließlich mit einem mächtigen Ruck nach vorn, ich muss wohl in einen Kaninchenbau gestanden haben...

 

Obwohl ich am liebsten aussteigen möchte, gibt es jetzt kein Zurück mehr, vielleicht auch ganz gut so, denn sonst wird das ja nie was mit mir...

 


Der Bergfalke bescheunigt jetzt. In ungefähr 3 Sekunden ist er auf 70 Km/h und es wird Zeit zum Abheben. Erst den Steuerknüppel ganz sachte ranziehen, dann erst stärker, sonst riskiert man einen Seilriß, fällt es mir ein. Der Steigwinkel beträgt jetzt ungefähr 35° und es drückt mich etwas in den Sitz, aber halb so wild. Der Luftdruck macht sich jetzt bemerkbar, meine Ohren beschweren sich, weil ich in der Anspannung das Schlucken ganz vergessen habe. So, das hätten wir, jetzt hör’ ich wieder was. Nach etwa 15 Sekunden ist das Schleppen vorbei und ich befinde mich in 350 Metern Höhe, doch so richtig traue ich den Instrumenten nicht über den Weg, reine Vorsicht. Ich kontrolliere jetzt meine Geschwindigkeit, die das Flugzeug ohne mein Zutun nimmt, dann stelle ich die Trimmung so weit vorlastig, dass sich eine Geschwindigkeit von ungefähr 75 Km/h ergibt und mein Steuern nahezu unnötig erscheint. Vorlastig getrimmt? Tatsächlich! Mir fällt ’s ein: Wenn nämlich 2 Personen im Flugzeug sitzen, hat es vor dem Schwerpunkt mehr Masse und neigt sich nach vorn. Hat es jedoch wie bei mir jetzt vor dem Schwerpunkt weniger Masse, so hat es den Drang, sich nach hinten zu neigen. Neigt es sich jedoch zu doll nach hinten, so verliert es Geschwindigkeit und stürzt irgendwann wie ein Stein in die Tiefe, also immer schön aufpassen und auf die Windgeräusche hören, die singend oder pfeifend an mir vorbeiziehen. So, genug geradeaus geflogen: Rechts um!

 

Herrlich hier oben! Mir zeigen sich jetzt die Wilchwitzer Teiche. Schöne Gegend hier, merkt man von unten gar nicht so. Selbst die alte Agrargenossenschaft sieht von hier oben irgendwie idyllisch aus. Alles erinnert an eine Modellbahnlandschaft. Wie putzig die Leute vorm Supermarkt aussehen! Auch die sonst noch so protzigen und stolzen Mercedes- und BMW- Karossen bringen mich zum Schmunzeln mit ihrer Winzigkeit. Jetzt noch eine Rechtskurve und mal sehen, was die Thermik sagt. Sie ist das Eigentliche, was uns am Himmel hält. Ich habe jedoch den Auftrag, keine Thermik zu suchen und Kreise zu drehen, sondern schnurstracks zum Flugplatz zurückzukehren. Es kommt keine Thermik auf und das ist gut so, denn sonst hätte ich mich geärgert, weil ich sie hätte ungenutzt verfliegen lassen müssen.

 

Der Flug war bis jetzt ein Klacks, denn der schwierigste Teil steht mir noch bevor: Die Landung. Ich befinde mich jetzt auf der Höhe des Starts, wo meine Vereinskameraden warten: Zeit, den Funkspruch abzusetzen. „Delta-7-7 Position.“ Die Quittierung folgt prompt und es ist an der Zeit, die dritte Kurve zu fliegen. Sachte neigt sich der Bergfalke auf die rechte Seite und beschreibt eine 90°- Kurve. Doch richtig gefallen will mir die Sache nicht, ich bin zu nahe am Start und will deswegen noch eine kleine Ecke weiter raus. Just in diesem Moment kommt aus dem Funk auch die Aufforderung vom Start: „Die 7-7 bitte noch ein Stück raus!“ Einerseits ärgere ich mich, dass ich zu weit rangekommen bin, doch andererseits ist es auch ein Grund zur Freude, dass ich selbst meine Fehleinschätzung bemerkt habe.

 

Die vierte und letzte Kurve steht an, die 100-Meter-Grenze ist erreicht. Jetzt heißt es, die Landeklappen auszufahren, den Aufsatzpunkt ins Auge zu fassen und mit konstanten 90 Sachen dem Boden entgegenzustürzen. Mir wird leicht flau im Magen bei dem Gedanken, dass ich dieses Mal allein im Cockpit sitze und mir kein Fluglehrer-Detlef notfalls helfen kann. Aber Gejammer bringt die Kiste auch nicht runter sage ich mir und beiße die Zähne zusammen, dass es schmerzt. In etwa einem halben Meter Höhe über dem Boden fange ich den Schnellflug ab und lasse unseren Bergfalken ausschweben. Ich bin mir sicher, dass meine Landung nicht so elegant ausgesehen haben wird, wie die meines Vorgängers, aber der Vogel ist erst mal unten und als er ausgerollt hat merke ich wie sich mein verkrampftes Gesicht zu einem erleichterten Lächeln formt. „Meine Fresse!“, ist alles, was mir über die Lippen kommt. Ein Glück, dass mir heute noch 2 Alleinflüge bevorstehen.

 

 

 

 

 

 

 

geschrieben von Markus Fischer

 

 
 

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