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Altenburger Luftsportverein e.V.

 

Ausbildung

erster Alleinflug

 

 

 

Mein Weg zur Segelfluglizenz

Zu den wichtigsten Tätigkeitsfeldern unseres Vereins zählt die Ausbildung von Piloten. Um Interessierten einen Einblick in den Ablauf der Ausbildung zu geben, möchte ich an dieser Stelle meinen ganz persönlichen Weg zur Segelfluglizenz beschreiben:

Für Jugendliche ist das Segelfliegen der beste Einstieg in das Fliegerleben, da es schon ab 14 Jahren begonnen werden kann und die Ausbildung im Vergleich zu einer Motorfluglizenz relativ kostengünstig ist. Ich begann Mitte 2005, mich auf die Suche nach einer Flugschule zu begeben. Schnell stellte ich fest, dass die Segelflugausbildung hierzulande hauptsächlich nur von Vereinen angeboten wird, da das Segelfliegen als Teamsport relativ personalaufwändig ist. Dies macht es für kommerzielle Flugschulen unrentabel. Über Umwege kam ich zum Altenburger Luftsportverein, welcher damals noch auf dem Verkehrslandeplatz Gera - Leumnitz ausbildete. Nach der Vorstellung der Technik und Teilnahme am Flugbetrieb war mir klar: Das möchte ich machen!

Anfang 2006 ging es dann los. Der theoretische Unterricht in den Fächern Meteorologie, Luftrecht, Technik, Navigation, Verhalten in Besonderen Fällen und Menschliches Leistungsvermögen wurde von den Fluglehrern der ansässigen Segelflugvereine an 4 Wochenenden vermittelt. Da die Gruppe relativ klein war, konnten die Lehrer auf persönliche Vorkenntnisse Rücksicht nehmen und Schwerpunkte setzen. Insgesamt fordert das Gesetz mindestens 30 Unterrichtsstunden. Im Verein wurden diese Unterrichtseinheiten in 2 Teile aufgeteilt, da für uns „Fußgänger“ Begriffe wie „negatives Wendemoment“ oder „Altocumulus Castellanus“ zunächst noch unverständliche Fremdwörter waren.

Im April ging es endlich mit der Flugausbildung los. Mein erster Start war ein F-Schlepp mit Fluglehrer in unserem roten doppelsitzigen Bergfalken. Nach den 20 Minuten (bei denen ich nichts weiter gemacht habe, als die Eindrücke auf mich wirken zu lassen) war ich total glücklich. Im ersten Jahr lernte ich den Geradeausflug, Kurven zu steuern, Starts und Landung sowie das Flugzeug in schwierigen Flugzuständen zu beherrschen. Das erfolgte im Doppelsitzer in Begleitung durch einen Fluglehrer.

Nach weiterem Theorieunterricht im Winter flogen wir in der neuen Saison in Göpfersdorf. Dort kam es auch zu einem der Höhepunkte meiner bisherigen Fliegerkarriere, meinem ersten Alleinflug. Das Wochenende begann damit, dass der Fluglehrer meine Blaue Karte (den Ausbildungsnachweis) besonders innig studierte und zu folgendem Schluss kam: „Dir fehlen ja nur noch 2 Seilrissübungen, dann kannst du alleine fliegen. – Da kann ich dir aber heute leider nicht helfen.“ Etwas enttäuscht ging ich also an den Flugbetrieb. Mein erster Start, für mich völlig überraschend, endete mit einem imitierten Seilriss in knapp 70 Metern Höhe. Ich war zwar überrascht, reagierte aber richtig. Der zweite Versuch, diesmal in 120 Metern war nur noch obligatorisch. Am Sonntag flog ich Überprüfungsstarts mit 2 Fluglehrern und wurde zum Alleinflug zugelassen. Erst nachdem das Windenseil straff war, und der Flieger sich in Bewegung setzte, wich meine Anspannung. Drei wunderbare Platzrunden, und meine „A“-Prüfung war geschafft. Nach alter Fliegertradition bekam ich abends meine „A-Dresche“, alle Anwesenden durften mir den Hintern versohlen.

In den weiteren Jahren festigte ich in vielen Flügen meine Fähigkeiten. Ich legte ein Sprechfunkzeugnis ab. Wichtig fand ich auch die Teilnahme an Wettbewerben und Fliegerlagern. Bei der Thüringer Landesmeisterschaft im Streckensegelflug konnte ich einen Einblick in die „Kunst des Streckenfliegens“ bekommen. Ein ganz besonderer Flug war ein Wellenflug mit unserem Bergfalken. Im  Oktober 2008 nahmen wir an einem Wellenfluglager in Crawinkel teil. Nach 3 Tagen ohne die gewünschte Leewelle am Thüringer Wald gab es am Sonntag den erhofften „Wellenalarm“. Der erste Versuch missglückte, doch beim 2. fanden wir den Anschluss an die nach oben tragende Luftströmung. Leider war ich bei diesem Flug nur Gast, doch ich war froh, dass Detlef Otto, unser Cheffluglehrer, mein Pilot war. Mir bot sich der Blick auf faszinierende Wolkenformationen. Der Höhenmesser zeigte maximal 2800 Meter über dem Meer, mein bisher höchster Flug.
 
Anfang 2010 begann ich damit, den theoretischen Unterricht zu wiederholen. Im April bestand ich beim Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar meine Theorieprüfung. Nach einem Streckenflug mit Außenlandung, welcher auch in der Ausbildung vorgeschrieben ist, konnte ich zur praktischen Prüfung angemeldet werden.

Im August besuchte mich eine Prüferin des Thüringer Luftsportverbandes im Auftrag der Landesluftfahrtbehörde. Nach drei Flügen (2 Windenstarts und einem F-Schlepp) erklärte sie mir, dass sie zufrieden mit meinen Leistungen sei und meine Lizenz ausstellen wird.

Meine Ausbildung hat knapp 4,5 Jahre gedauert. Es hätte schneller gehen können, doch ich habe die Zeit genossen und sehr viel gelernt. Nach 275 Starts und etwa 85 Flugstunden denke ich, dass ich genug Erfahrung gesammelt habe, um in Zukunft sicher eigenverantwortlich und auch mit Fluggästen fliegen zu können.

An dieser Stelle möchte ich noch allen meinen Fluglehrern danken. Vor allem Detlef Otto und Uwe Berndt, ihr habt mich am längsten begleitet und am weitesten vorangetrieben.


Moritz Coder

 
 

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